Ansicht des Brauereihofs

Geschichte des Aschauer Hofs

Die Brauerei Ametsbichler geht auf ein bäuerliche Anwesen mit einer reichen Vergangenheit zurück. Erstmals namentlich erwähnt wurde der Aschauer Hof als „Paugarthub“ in einer Urkunde von 1411. Im 16. Jahrhundert wurde diese Hube von dem „Aschauer“ bewirtschaftet und wurde bis in das 19. Jahrhundert hinein in verschiedenen Quellen unter dem Hofnamen „zum Aschauer“ aufgeführt. Der Name Aschauer erlosch durch das Fehlen männlicher Nachkommen Anfang des 19. Jahrhunderts und wechselte zu Huber.

Ursprünge des Hofs vor 1411

1411 hatte der adlige Grundherr Wolfhart von Überacker sieben Höfe an das Chorherrenstift Au (Kloster Au) verkauft. Einer davon war der Aschauer Hof, die spätere Brauerei Ametsbichler.

Der Kaufbrief steht in einer engen Beziehung zur ersten geschichtlichen Nachricht über Aschau (Notitia Arnonis 790 a.D.): Zur Gründung des Chorherrenstift Au hatte einst Herzog Tassilo III. sechs Huben an das Erzbistum Salzburg geschenkt. Genau so viele Huben sind im Besitz des Salzburger Ministerialengeschlechts der Überacker, wenn man berücksichtigt, dass zwei der Höfe Lehen (= Halbhube) waren und so zu einer Hube zusammengefasst werden können.

Für diese Bauerngüter ergibt sich die begründete Vermutung, dass sie in ihrem wesentlichen Bestandteil bereits auf die Zeit Herzog Tassilos III. (zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts) zurückgehen.1


1841 heiratete die Hoferbin Barbara Huber den Bauernsohn Georg Rannetsperger aus Litzlkirchen, der das Brauer- und Binderhandwerk erlernt hat.

Georg Rannetsperger wollte in seinem Anwesen eine Gastwirtschaft eröffnen. Da er jedoch keine Schankerlaubnis erhielt, entschloss er sich 1876 seinen erlernten Beruf auszuüben, denn Selbstgebrautes durfte man auch ausschenken. Damit war die Gründung der Brauerei erfolgt. Prompt kam die erste auswärtige Absatzstelle hinzu, da ein Altersgenosse von Georg Rannetsberger Wirt von Lauterbach geworden war und sich spontan entschlossen hatte, das Bier seines Freundes auszuschenken.

Thomas Ametsbichler aus Eichmühl bei Rott, der in der benachbarten Schlossbrauerei Jettenbach gearbeitet hat, heiratete 1886 Barbara, die Tochter von Georg und Barbara Rannetsperger.

Thomas Ametsbichler baute den Brauereibetrieb kräftig aus, gewann weitere Kundschaft hinzu, erwarb die Gaststätten in Pürten und am Bahnhof Kraiburg und vergrößerte den Grundbesitz.

Originalaufnahme des Aschauer Hofs, ca. 1889
Originalaufnahme des Aschauer Hofs, ca. 1889

Sein Sohn Thomas heiratete die Brauereibesitzerstochter Anna Weinzierl aus Großköllnbach. Er brachte vor allem die technische Einrichtung der Brauerei auf einen für damalige Verhältnisse hohen Stand.

Der aufgeschlossene und tüchtige Unternehmer war auch Landwirt und Viehzüchter aus Passion und ein großer Förderer der Geselligkeit und des Vereinslebens in seinem Heimatort Aschau.

Eine wirtschaftlich florierende Zeit war der Bau des Innkanals und des Wehrs in Aschau (1919 — 1922). Die Projekt war seinerzeit die größte Baustelle in Europa. Durch die vielen Bauarbeiter in der Gegend stieg auch der Bierabsatz.

Im Dezember 1931 wurde das Unternehmen von einem harten Schicksalsschlag getroffen: Die Mälzerei mit allen darin befindlichen Vorräten brannte bis auf die Grundmauern ab. Ein Jahr später konnte sie bereits dank der Tatkraft von Thomas Ametsbichler nach den Plänen des Weihenstephaner Professors Ganzenmüller wieder aufgebaut werden.

Der Bau der Industrieanlagen im heutigen Waldkraiburg und im Werk Aschau ab 1938 brachte es mit sich, dass sich die Abgeschiedenheit der Gegend veränderte. Während vorher das Bier überwiegend an die Landwirtschaft und an die ländliche Gastronomie abgesetzt wurde, kamen nun Baustellen und Kantinen hinzu. Bemerkenswert ist, dass ehemals vorwiegend dunkles Bier getrunken wurde, etwa 90 % — helles gab es nur in Flaschen —, und dass nunmehr der Trend zum hellen Bier hin wechselte. Durch den industriellen Aufschwung konnte die Bierproduktion erhöht, in wenigen Jahren sogar verdoppelt werden.

Bedingt durch den 2. Weltkrieg trat jedoch sehr bald ein Rückschritt ein und die Erzeugung kam schließlich mit dem Kriegsende, durch ein Produktionsverbot der Militärregierung, völlig zum Stillstand. Der Aschauer Hof wurde unterdessen von amerikanischen Soldaten als Unterkunft benutzt. Erst 1946 durfte wieder mit der Braukunst begonnen werden, mit einem Dünnbier, das einen Stammwürzegehalt von nur 2 Prozent aufwies. Dieser „Miniprozentsatz“ kletterte natürlich bald in die Höhe und mit dem Anstieg auf den in Bayern gewohnten Wert kam auch auch wieder Schwung in das Unternehmen, das im Lauf der folgenden Jahre die Vorkriegsproduktion nicht nur erreichen, sondern sogar vervielfachen konnte.

Im Jahr 1952 wurden die Söhne Georg und Otto in den Betrieb aufgenommen und durch fortlaufende Investitionen in der gesamten Anlage, wie Mälzerei, Sudhaus, Gärkeller, Lagerkeller und Abfüllerei erneuert und vergrößert. Auch die eigene Gaststätte erhielt durch Umbau und Renovierung neuen Glanz.2

Allerdings war schon zu diesen Zeiten der Absatzmarkt für Bier rückläufig, sodass der Betrieb leider in seinen Umfang verkleinert werden musste, um den Herausforderungen an den Märkten gerecht zu werden. So wurden im Zuge der Ölpreiskrisen in den 1970er Jahren neben der Landwirtschaft auch die Mälzerei aufgegeben.

Als Georg, Sohn von Georg Ametsbichler sen., 1992 in den Betrieb eingestiegen ist, hatte sich die Lage vor allem für kleine und mittelständische Brauereien nicht verbessert. Dennoch konnte er die Brauerei souverän durch schwierige Zeiten führen und zeitgemäße Neuerungen einbringen. So wurde der Betrieb 2004 auf biologische Produktion umgestellt und 2016 konnten sogar einige Biersorten mit einer Demeter-Zertifizierung gekrönt werden.

Auch heutzutage gibt es diverse Herausforderungen durch die Entwicklung unserer Gesellschaft und Umwelt, denen sich die Brauerei und Familie Ametsbichler mit Blick auf ihre lange Tradition zuversichtlich stellt.


  1. Muschol, Bernhard: „Aschau am Inn: Ein Heimatbuch„, S. 86 ff. ↩︎
  2. Muschol, Bernhard: „Aschau am Inn: Ein Heimatbuch„, S. 220 ff. ↩︎